Verhandeln, entscheiden, Klima gestalten – Planspiel zur Europapolitik am Starnberger See

Vom 20. bis 22. Juli war eine Schülergruppe aus der Q12 und den Klassen 11a und 11b gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern von drei weiteren Schulen zu einem Planspiel zur EU-Klimapolitik in der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Hierbei durften die Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Rollen den ordentlichen Gesetzgebungsprozess der Europäischen Union durchleben. Es wurde über verschiedene Aspekte zum EU-Emissionshandel diskutiert und verhandelt, ehe nach zwei Lesungen und dem Einschalten des Vermittlungsausschusses schließlich ein Gesetz verabschiedet werden konnte.

Im Europäischen Rat durften einzelne Schülerinnen und Schüler sich in die Rolle von Fachministerinnen und -minister verschiedener Mitgliedsstaaten begeben. Als besonders beeindruckend und herausfordernd empfanden die Teilnehmenden die Vielzahl an Meinungen und Schwerpunkten, die in den einzelnen Ländern vorherrschten. Um zu einem für alle tragbaren Ergebnis zu kommen, musste daher von „roten Linien“ abgewichen und Kompromisse gefunden werden.

Hitzige Debatten mit zum Teil provokanten Ansichten der Rechtsaußen-Fraktionen prägten die Sitzung des Europäischen Parlaments. In mehreren Fraktionssitzungen wurde die Kooperationsbereitschaft verschiedener Abgeordneter ausgelotet und in den Parlamentssitzungen diskutiert. Als besonders bedeutend kristallisierten sich hier die informellen Gespräche in den Pausen heraus.

Nicht nur ihre Gesetzesinitiative musste die Kommissionspräsidentin mit ihren Kommissaren und Kommissarinnen vorstellen, sondern auch in den beiden anderen Institutionen für Rückfragen und Erläuterungen zur Verfügung stehen. Besonders anspruchsvoll war in dieser Rolle auch die Vermittlung zwischen den verschiedenen Positionen innerhalb und zwischen den einzelnen Institutionen.

Auch die Presse und Lobbyisten, beispielsweise aus der Metallindustrie und von Umweltorganisationen, versuchten durch ihre Berichterstattung bzw. durch Auftritte in den Institutionen oder in informellen Gesprächen Einfluss auf den Inhalt des Gesetzes zu nehmen. Bei der abschließenden Reflexionsrunde empfanden es die Schülerinnen und Schüler als schockierend, dass vor allem die Boulevardpresse mit ihren plakativen Überschriften und sensationslüsternen Inhalten für ordentlich Zündstoff in den Diskussionen sorgte und zum Teil zu Zerwürfnissen zwischen einzelnen Fraktionen beitrug.

Alles in allem führte das Planspiel den Schülerinnen und Schülern auf anschauliche Weise vor Augen, wie langwierig und anstrengend Kompromissfindung sein kann, und zeigte auf, warum Beschlüsse aus Brüssel oftmals eben nicht der große Wurf, sondern das für alle Seiten akzeptable Minimum sind. Neben dem Wissen zur europäischen Gesetzgebung und dem Bewusstsein für die Herausforderungen der Arbeit auf europäischer Ebene, konnten die Schülerinnen und Schüler auch ihre sozialen und rhetorischen Kompetenzen schulen.

Die wunderschöne Lage der Akademie direkt am Starnberger See mit eigenem Steg und das sonnige Wetter stellten einen wunderbaren Ausgleich für die langen und komplizierten Verhandlungen dar und ließen schon Vorfreude auf die bevorstehenden Sommerferien aufkommen.

StRin Bleuler