Unsere drei 5. Klassen erlebten am 13., 14. und 16. Juli je einen interessanten Geographie-Exkursionstag mit tierischen Begegnungen im Zeichen der Biodiversität. Auf dem Bioland-Betrieb der Familie Zeller in Ipsheim durften sie das geschlossene Kreislaufsystem der Natur hautnah und mit allen Sinnen erforschen.
Bei der Ankunft wurden die Klassen herzlich von einem pensionierten Berliner Pädagogen empfangen, der den Hof im Sommer für drei Wochen tatkräftig unterstützt.
Einblicke in den Familienbetrieb
Zuerst informierte Frau Zeller unsere Fünftklässler allgemein über den vielseitigen Betrieb. Seit 1991 wirtschaftet der Hof aus tiefer Überzeugung nach den Bioland-Richtlinien – ganz ohne den Einsatz von Mineraldünger und chemischen Pestiziden. Der Familienbetrieb bewirtschaftet insgesamt 115 Hektar Land, wobei ein Schwerpunkt auf dem Gemüsebau liegt. Zum Betrieb gehören außerdem rund 60 Milchkühe. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der muttergebundenen Kälberaufzucht. Dass hier der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen im Vordergrund steht, zeigt sich auch auf den kleineren Flächen, die gezielt für die biologische Vielfalt erhalten werden. Eine tierische Erfolgsgeschichte ihrer Philosophie war die Rettung von Igel Walter, der auf dem Hof liebevoll von mageren 300 Gramm auf stattliche 650 Gramm aufgepäppelt wurde und wieder ausgewildert werden konnte.
Tierische Begegnungen auf der Weide und im Stall
Auf einer Weide, die gleichzeitig eine Photovoltaikanlage beherbergt, durften die Fünftklässler die Kälber streicheln, was bei den Schülerinnen und Schülern für große Begeisterung sorgte. Auf Zuruf von Frau Zeller kam die liebenswerte Kuh „Trudi“ herbeigeeilt und freute sich sichtlich über das Getreide, das ihr die Kinder direkt aus den Händen fütterten (wohl die „Gummibärchen“ für die Kühe), sowie die vielen Streicheleinheiten.
Beim Stallbesuch lernten die Klassen Wissenswertes über Schwalbenarten und die unterschiedlichen Kuhrassen, deren Aufzucht und tägliche Versorgung, durften die Milchkühe mit Gras füttern und warfen einen Blick in den Melkstand, wo Frau Zeller errechnen ließ, wie viel Milch der Hof erzeugt.
Dem geschlossenen Kreislauf auf der Spur: Die Hofrallye
Das zentrale Thema des Ausflugs war es, Biodiversität hautnah zu erleben. Die Landwirtschaft auf dem Biohof funktioniert als geschlossenes System. Um dieses Netzwerk der Natur spielerisch zu verstehen, ging es für die Schülerinnen und Schüler in drei Gruppen auf eine spannende Hofrallye:
- Gruppe 1: Erkundung der Streuobstwiese
Die erste Gruppe kartierte fleißig die Obstbäume, sammelte Pflanzen und bestimmte die heimischen Arten. Auch die Lebensräume von Insekten und Kleintieren wurden genau unter die Lupe genommen. Sogar das Untersuchen von getrockneten Kuhfladen stand auf dem Programm: Nach anfänglicher Vorsicht stellten die Kinder schnell fest, dass diese gar nicht stinken, man aber genau erkennen kann, was die Kuh gefressen hat. Zudem entdeckten sie zahlreiche Vogelfedern, unter anderem von Elstern, Schwalben, Turmfalken und sogar einen Eulenflügel.
- Gruppe 2: Lebensräume entdecken
In der Scheune, im Stall, am Totholzhaufen und im Altgras suchte die zweite Gruppe nach verborgenen Naturschätzen. Besonders die Rolle der Brennnessel wurde deutlich: In Phasen von Trockenheit bietet sie Insekten eine der wenigen verbleibenden Nahrungsquellen. Im Stall waren die vielen Nester von Mehl- und Rauchschwalben zu entdecken, die wiederum als natürliche Schädlingsbekämpfer die Mücken fressen. Am Rand der Streuobstwiese summte es außerdem ordentlich, denn hier stehen mehrere Bienenkästen.
- Gruppe 3: Auf dem Acker und im Boden
Die dritte Gruppe untersuchte das Getreidefeld und lernte die Gerste genauer kennen. Der Fokus lag hier auf dem bunten Randstreifen des Ackers. Zwischen Kamille, Ackerwinden, Melde, Kleearten und Disteln wimmelte es nur so von Leben: Spinnen, Schmetterlinge, Käfer, Bienen und Ameisen konnten bei ihrer wichtigen Arbeit beobachtet werden. Doch die Gruppe forschte noch tiefer und bestimmte die Bodenart. Durch Riechen, Fühlen, Reiben und Kneten erkannten die Schüler den hohen Anteil von Ton und Lehm. Sie lernten unter anderem, wie wichtig die Bodenzusammensetzung für die Wasserspeicherfähigkeit ist, wie Regenwürmer sowie andere Organismen für wertvollen Sauerstoff und Durchlüftung sorgen, sodass fruchtbarer Boden entsteht, auf dem gute Lebensmittel wachsen können. Gleichzeitig wurden aber auch die Folgen der Trockenheit sichtbar: Aufgrund der aktuellen Hitzeperiode bildeten sich bereits 30 bis 50 Zentimeter tiefe Risse im ausgetrockneten Boden.
Nach der Rallye versammelten sich alle Gruppen wieder, um sich gegenseitig ihre Ergebnisse und gesammelten Fundstücke vorzustellen.
Schütteln, Schlemmen und Vitamine für zu Hause
Nun wurde es sportlich: Wer schüttelt die Sahne am schnellsten zu Butter? Jede der drei Gruppen bekam ein Sahneglas und musste dieses durch kräftiges Schütteln in echte Butter verwandeln.
Belohnt wurde die Mühe mit frischem Butterbrot. Dazu wurde der selbst gemachte Apfelsaft vom Hof ausgeschenkt und die Klassen durften Joghurt aus der Molkerei probieren, an die der Hof seine frische Milch liefert.
Nach dieser leckeren Stärkung schickte Frau Zeller sogar noch frische Zucchini als gesundes Abschiedsgeschenk mit nach Hause.
Ein herzliches Dankeschön
Ein großer Dank gilt der gesamten Hoffamilie und ihrem Helfer-Team! Sie haben mit ihrer spürbaren Leidenschaft für eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft unseren Schülerinnen und Schülern gezeigt, wie wichtig biologische Vielfalt für uns alle ist und wie viel Spaß diese im Alltag auf dem Biohof machen kann.
StRin Kerschbaum

