Naomie Kagmeni aus Kamerun im Französisch-Kurs des GWSG

Im Rahmen unseres Französischunterrichts in der 12. Klasse durften wir kürzlich eine besondere Besucherin begrüßen: eine junge Medizinstudentin aus Kamerun, die derzeit in Deutschland lebt. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass uns eine abwechslungsreiche und persönliche Stunde bevorstand. Mit ihrer offenen, humorvollen Art und ihrer direkten Ansprache gelang es ihr schnell, eine lockere und zugleich interessierte Atmosphäre im Klassenzimmer zu schaffen.

In ihrem Vortrag gab sie uns vielfältige Einblicke in ihr Heimatland, das oft als „Afrika im Kleinen“ bezeichnet wird. Diese Bezeichnung verdeutlicht die große kulturelle und geografische Vielfalt Kameruns. Besonders beeindruckend fanden wir die sprachliche Vielfalt: Über 200 Sprachen werden dort gesprochen. Darüber hinaus berichtete sie von den zahlreichen ethnischen Gruppen, darunter auch ihre eigene Herkunft aus einer Bergregion. Sie erklärte, dass sich die verschiedenen Regionen nicht nur sprachlich, sondern auch durch unterschiedliche Traditionen, Kleidung und Lebensweisen voneinander unterscheiden.

Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vortrags lag auf gesellschaftlichen und politischen Themen. Sie erwähnte unter anderem die Geschichte des Landes, insbesondere die Zeit der Unabhängigkeitsbewegung, sowie aktuelle politische Herausforderungen. Dabei sprach sie auch die eingeschränkte Offenheit von Wahlen und die lange Amtszeit des Präsidenten an. Trotz dieser Aspekte betonte sie, dass Kultur, Gemeinschaft und Lebensfreude im Alltag der Menschen eine große Rolle spielen.

Besonders lebendig wurde ihr Vortrag, als sie über das tägliche Leben in Kamerun erzählte. Sport – vor allem Fußball – ist dort von großer Bedeutung und verbindet viele Menschen. Ebenso wichtig sind Musik und Tanz, die fest im kulturellen Leben verankert sind. Ihre persönlichen Erfahrungen machten ihre Ausführungen besonders greifbar: Als älteste Schwester in ihrer Familie trägt sie viel Verantwortung und übernimmt teilweise eine mütterliche Rolle für ihre jüngeren Geschwister. Diese familiäre Nähe und gegenseitige Unterstützung prägen das Leben in Kamerun stark.

Auch ihre Perspektive auf Deutschland war für uns sehr interessant. Sie berichtete, dass viele junge Menschen aus Kamerun nach Deutschland kommen, um bessere Bildungs- und Berufsmöglichkeiten zu haben – und oft nicht in ihre Heimat zurückkehren. An Deutschland schätzt sie besonders die Organisation, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Gleichzeitig vermisst sie jedoch das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl aus Kamerun, da das Leben hier oft individueller und weniger familiär geprägt ist.

Der Besuch war für uns alle eine bereichernde Erfahrung. Er hat nicht nur unser Wissen über Kamerun erweitert, sondern uns auch neue Perspektiven auf kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten eröffnet. Durch die persönlichen Einblicke wurde der Vortrag besonders anschaulich und blieb uns nachhaltig in Erinnerung.

Vanessa Braun, Christoph Klopsch, Anne Schöttle, Linus Späth, Sofia Viegas, Luis Weiß

Anmerkung der Kursleiterin: Der Besuch fand am 25.3.2026 statt. Michael Schönleben von den Steller Alumni hatte den Kontakt hergestellt. Dafür möchte ich mich ausdrücklich, auch im Namen des Kurses, ganz herzlich bedanken.