Jüdische Zeitzeugen / Schülerberichte

Hier einige Berichte von Schülern, die bei der Veranstaltung anwesend waren:


Als ich am Montagmorgen in die Bücherei kam, erblickte ich sechs freudige Gesichter, die ich teils am Abend vorher schon in der Kirche habe sprechen hören. Zum Jubiläum hatte die Stadt Bad Windsheim Zeitzeugen eingeladen, den 9. November 1938 in Bad Windsheim erlebt hatten und danach nach Amerika ausgewandert, bzw. geflohen sind. Schon bei der Einweihung der Gedenkstele am Hafenmarkt als auch der Gottesdienst in der Seekapelle haben mich sehr berührt. Die anwesenden Gäste haben meinen vollen Respekt, nachdem sie hier laut eigener Aussage “Die Hölle auf Erden” durchlebt haben, Jahre später wieder zu kommen und sich mit Schülern des GWSG zu unterhalten. Nach kurzer Vorstellung der Zeitzeugen und ein paar einleitenden Worten unseres Schulleiters Dr. Ingrisch und dem Geschichtslehrer Herrn Herz erzählten die Gäste aus ihrer Sicht die Erlebnisse ihrer Kindheit in Bad Windsheim und der Ihnen entgegengebrachte Antisemitismus hier in Deutschland. Das waren sehr bewegte Momente, nicht nur für die Zeitzeugen sondern auch für die zuhörenden Schüler, die aufmerksam und sehr gespannt lauschten. Deutlich sichtbar war, dass es nicht nur für uns Schüler ein tolles Erlebnis war mit Zeitzeugen zu reden, sondern dass es auch den anwesenden jüdischen Gästen eine Freude war uns “Jungen Leuten” von ihren (sehr schlimmen) Erlebnissen zu berichten. Insgesamt war es für uns Schüler ein tolles Erlebnis, wofür wir uns recht herzlich bei den amerikanischen Gästen bedanken möchten.

Jan Gottal (K13)


Den Besuch der jüdischen Zeitzeugen fand ich beeindruckend. Ich weiß nicht, ob ich – wenn ich all das damals hätte durchstehen müssen- wieder zurück nach Deutschland gekehrt und obendrein so nett, offen und dankbar gewesen wäre. Die Ereignisse wurden sehr gut geschildert und man kann sich nun wirklich noch besser vorstellen, wie die Juden in Deutschland damals leiden mussten, denn kein Buch und kein Film kann Zeitzeugen, die die Geschichte erst richtig lebendig werden lassen, ersetzen. Ich bin auch erleichtert, dass es den Gästen gut in Bad Windsheim gefallen hat, dass ihr negatives Bild, das sie seit der Vertreibung von Bad Windsheim hatten, sich ein bisschen aufgehellt hat.

Sebastian Kallert (K13)


Zuerst einmal möchte ich mich für den Besuch bedanken, vor allem weil ich mir nicht vorstellen kann, wie schwer es gewesen sein muss, nach einer so langen Zeit sich der Vergangenheit zu stellen. Durch ihre Berichte und Schilderungen der damaligen Situation 1938 war es für uns alle besser möglich, uns ein Stück weit in Ihre Vergangenheit hineinzusetzen. Da wir erst viel später geboren wurden, nur das heutige System der Demokratie in unsere Bundesrepublik kennen und uns ein solcher Hass gegenüber einer anderen Gruppe fremd ist, war es anfangs nicht nachvollziehbar, was Sie eigentlich aushalten und durchstehen mussten, besonders da sie noch Kinder waren und so gut wie alles verloren haben: Heimat, Familienangehörige, Freunde, Besitz….. Da ich selber nicht weiß, ob ich einer Nation nach so einer Tat verzeihen und wieder nach Deutschland zurückkehren könnte, finde ich es bewundernswert, dass Sie einige Tage in Bad Windsheim zu Gast waren und uns Schülern die Möglichkeit gegeben haben, einige Fragen an Sie zu stellen, um uns alles etwas besser vorstellen zu können, was wir sonst nur aus Büchern kennen. Vielen Dank noch mal!

(der Verfasser will anonym bleiben)