Berlin 10c
Mittwoch, der 23. März 14:00 Uhr:
Nach einem anstrengenden Schultag voller Vorfreude traf sich die Klasse 10c am Schießwasen zur Abreise nach Berlin. Dort wartete für die nächsten drei Tage ein spannendes und umfangreiches Programm auf sie.
Nach etwa 6 Stunden angenehmer Busfahrt kamen wir im Hotel, das uns erst einmal durch seine Lage direkt am Alexanderplatz verblüffte, an. Nach dem Zimmerbezug in den äußerst modern eingerichteten Gruppenzimmern, machten wir uns auf die Suche nach einem Abendessen. Viel Zeit für Sushi oder Ähnliches blieb uns leider nicht, da wir um 22 Uhr auch schon wieder auf den Zimmern sein mussten. Am Nächsten Tag ging es schon früh los mit einer Rundfahrt durch Berlin, an der uns auch Herr Kollitsch, ein Beamter des Bayrischen Kultusministeriums und auch derjenige, der uns diese Fahrt ermöglicht hatte, begleitete. Unser Reiseführer vermittelte uns interessante Eindrücke der Hauptstadt.
Ein Halt an der Eastside Gallery gab uns die Möglichkeit Kunstwerke an alten Mauerstücken näher zu betrachten. Man munkelt sogar, dass einige tollkühne Recken versuchten, die Mauer zu erklimmen. Nach der erneuten Abfahrt machte sich der Bus auf den Weg zur ständigen Bayerischen Vertretung, vorbei an Bundestag, Bundeskanzleramt und Schloss Bellevue. In der Vertretung genossen wir hungrigen Franken eine deftige bayrische Mahlzeit und im Anschluss wurde uns die Architektur und der Aufbau des Gebäudes vorgestellt. In einem Besprechungsraum wurden unsere Sozialkundekenntnisse (eigentlich unnötig, weil bereits vorhanden) aufgefrischt und Aufgaben und Abläufe im Bundesrat näher erläutert.
Nach diesem etwas anstrengenderem Tagesordnungspunkt, liefen wir zu Fuß durch das Brandenburger Tor und an weiteren Vertretungen und Botschaften vorbei zum abgeriegelten Gebäude des Bundesrats. Dort wurden wir von zwei Betreuern erwartet, die uns auch durch das folgende Planspiel begleiteten. In der großen Eingangshalle merkten die meisten von uns erst, welche Ehre es ist, in dem ansonsten von der Öffentlichkeit abgeschirmten Bundesrat ein Planspiel machen zu dürfen.
In einem Konferenzraum angekommen erläuterten unsere Betreuer dieses Spiel genauer und jeder bekam eine Rolle z.B. als Bayerischer Innenminister zugewiesen und wir sollten in verschiedenen Ebenen über einen vorgeschlagen Gesetzesentwurf zum Verbot von “Killerspielen” debattieren. In den kommenden 4 Stunden berieten die Minister sich auf Parteitagen, tagten in Ausschüssen und mussten sich vor einer Pressevertreterin verantworten. Dadurch bekamen alle mit, wie umfangreich und schwierig ein Gesetzesgebungsprozess ist. Erst zum Schluss kamen es zu entscheidenden Bündnissen, was aber auch wie im realen Bundesrat mit der Länge der Debatte zusammenhing.
Die endgültige Abstimmung fand dann im Plenarsaal statt, den man als normaler Bürger lediglich im Fernsehen oder von der Besuchertribüne aus betrachten kann. Ein mittlerweile berühmtes Zitat zu diesem Programmpunkt: ”So Geil war’s nicht aber sehr informativ.”
Da es nun schon spät war, fuhren wir schnell zurück zu unserem Hotel, um uns dann wieder auf die Suche nach Essbarem zu machen. Nach einer mehr bei anderen weniger erholsamen Nacht, während der es auch zum einem lauten interkulturellen Austausch mit einigen Italienern kam, mussten wir nach dem Frühstück auch schon wieder unser Gepäck packen und vielleicht auch noch ein letztes Mal in der Dusche mit Lautsprechern und zwei Duschköpfen duschen.
Jetzt ging es weiter zum ehemaligen MfS in der Normannenstraße, wo uns ein Führer erwartete, der uns auch später ins Stasigefängnis Hohenschönhausen begleiten sollte. Er stellte uns zuerst das Stasinetzwerk im Allgemeinen vor und gab uns dann Einblicke in Fälle von versteckten Operationen, Gefangennahmen und Spitzeleien, die in der DDR überall stattgefunden haben. Als er uns dann noch seinen eigen Fall vorstellte und auch seine Stasiakte zur Einsicht gab, waren wir alle sichtlich beeindruckt.
Nach einem kurzen Mittagessen in einer DB-Kantine fuhren wir auch schon nach Hohenschönhausen. Hier erzählte der Führer so ziemlich alles über die Hintergründe des Gefängnisses und wir bekamen intime Einsichten in seine Haft dort und die Umstände seiner Verhaftung. Dieser Tag änderte unseren Blick auf die DDR gewaltig, da sich noch keiner so genau mit der Stasi beschäftigt hatte und auch der Eindruck von unserem Zeitzeugen gab uns mehr Gewissheit. Ein Zitat ist auch an dieser Stelle von einem Schüler zu nennen: “Vor so einem muss man echt Respekt haben.” Man muss diese Einrichtungen wirklich selbst erlebt haben, es wird den Blick auf diese sozialistische Diktatur grundlegend ändern.
Nach diesem aufwühlendem Programmpunkt traten wir auch schon die Heimreise an. Zum Glück hatten wir Herrn Kuntke und Frau Bauer für Stadt, Land, Fluss mit an Bord, die, um sie nicht zu vergessen, nicht nur ein großes Allgemeinwissen haben, sondern auch unsere Reise hervorragend organisiert und gestaltet haben. Um 23.30 Uhr kamen wir dann ganz schön geschafft wieder in der Kurstadt an. Abschließend ist zu sagen, dass obwohl es nur eine kurze Studienfahrt war, sie bestimmt einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen hat und unsere Klasse noch mehr verbunden hat.
Matthias Kern & Kilian Hoyle
