- 2011/2012
- 2010/2011
- 2009/2010
- 2008/2009
- Sonstiges
P-Seminar in Frankreich
Gymnasiasten entdecken Weltkulturerbe
Die beiden Jahre vor dem Abitur unterscheiden sich im G8 deutlich von der früheren “Kollegstufe”. Konnten sich die Schüler der letzten beiden Klassen am G9 stärker auf ihre Interessen und Begabungen konzentrieren, setzt die G8-Oberstufe auf ein breiteres Wissen. Mit dem Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung (P-Seminar) öffnet sich das Gymnasium der gesamten Arbeitswelt und ermöglicht Schülerinnen und Schülern erste wichtige Erfahrungen für eine gelungene Berufs-und Studienwahl. Im Zentrum des P-Seminars, das über 11/2 Jahre läuft, stehen Praxisbezug und die Förderung von methodischen und sozialen Kompetenzen. Durch den Schritt aus der Schule heraus und die Zusammenarbeit mit externen Partnern erlernen Schüler grundlegende Kompetenzen der Arbeitswelt.. Am Ende steht ein Produkt das in einer Abschlusspräsentation einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die enge Verzahnung von Schule und Arbeitswelt bedeutet für die Schüler und Lehrkräfte eine Herausforderung: Sie brauchen ein hohes Maß an Kreativität und Mut, um neue Wege der Unterrichtsgestaltung zu beschreiten. Dass dies von beiden in hervorragender Weise angenommen wird, zeigt die große Bandbreite an Projekten, die am Georg-Wilhelm Steller Gymnasium in Bad Windsheim angeboten werden. Ein Beispiel: Das P-Seminar ” Die regionale Küche Mittelfrankens - La cuisine régionale du Limousin” Neben der Betrachtung regionaler Besonderheiten der mittelfränkischen Küche unter Einbeziehung externer Partner und Sponsoren, beschäftigen sich die Projektteilnehmer auch mit kulinarischen Spezialitäten unserer französischen Partnerregion, dem Limousin. Am Ende der Projektarbeit (Februar 2012) soll ein Produkt stehen, in unserem Fall ein zweisprachiges (deutsch-französisches) Kochbuch, das unsere Projektarbeit dokumentieren soll. Gleichzeitig soll unsere Publikation dem interessierten Betrachter einen Einblick in die regionale Küche beider Länder ermöglichen und ihm nützliche Adressen von Anbietern regionaler Produkte vermitteln. Die Ergebnispräsentation im Januar 2012 erfolgt vor schulischem und externem Publikum (Schulleitung, Eltern, externen Partnern und Sponsoren) in der Aula des Gymnasiums. Es ist geplant, die Gäste mit regionalen Produkten, die von den Seminarteilnehmern vorbereitet werden, zu verwöhnen. Zudem soll an diesem Abend unser Kochbuch erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Ein Pilotprojekt im Rahmen der Partnerschaft Im Rahmen dieser Zielsetzung unternahmen wir vom 7. - 15.April eine Fahrt in unsere französische Partnerstadt St.Yrieix -la-Perche. Die Organisation erfolgte in enger Absprache zwischen den Seminarteilnehmern, der Schulleitung und den Lehrkräften unserer Partnerschule, die uns die Unterbringung in Familien ermöglichten, sowie dem französischen Komitee für Städtepartnerschaften, das maßgeblich für die Programmgestaltung des Pilotprojekts verantwortlich war. Um es vorweg zu nehmen, die Fahrt war ein voller Erfolg. Die Zielsetzung des Projekts und das Auftreten der Gruppe wurden in unserer Partnerstadt begeistert aufgenommen. Dies bezeugt auch das Interesse des französischen Fernsehens (FR3), das uns bei unseren Aktivitäten filmte und uns einen tollen Bericht in seiner Nachrichtensendung widmete. Doch betrachten wir die Ereignisse aus der Schülerperspektive:
Leben wie Gott in Frankreich von Anja Resch, Nadja Kohler, Aylin Gerlinger
Unsere kulinarische Entdeckungsreise in die französische Region Limousin. “Die regionale Küche Mittelfranken und die Spezialitäten der französischen Region Limousin” - ist das Thema unseres Projektseminars am Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasiums in Bad Windsheim. Ziel dieses Seminars ist die Erstellung eines deutsch-französischen Kochbuches, welches sogar gedruckt und verkauft werden soll. Um uns besser mit der französischen Küche auseinandersetzen zu können, haben wir eine kulinarische Entdeckungsreise in die französische Region Limousin geplant und durchgeführt. Unser Aufenthalt dauerte neun Tage und wurde vom französischen Komitee für Städtepartnerschaften mitgeplant und begleitet. Unser Programm, hauptsächlich erstellt von Martine Le Grand, war sehr umfangreich. Hierbei besuchten wir am ersten Tag unseres Aufenthalts die Foire - einen jeden zweiten Freitag stattfindenden großen Markt in St. Yiriex - auf den uns der ehemalige Präsident des Komitees für Städtepartnerschaften, Henry Waekerlé, begleitete und uns den Produzenten auf dem Markt vorstellte. Außerdem durften wir an verschiedenen Ständen Spezialitäten, wie z.B. luftgetrockneten Schinken und selbsthergestellten Ziegenkäse kosten. Am Nachmittag besichtigten wir später die Ziegenfarm von Madame Célérier und bekamen einen Einblick in die Produktion ihres beliebten Ziegenkäses. Das Wochenende verbrachten wir in unseren Gastfamilien. Wir wurden regelrecht verwöhnt mit Rezepten der cuisine familiale, die wir eifrig für unser Kochbuch mitschrieben und sammelten. Am Montag dann erzählte uns Monsieur Dufour grundlegende Fakten über seine Schweinezucht, des im Limousin hochgeschätzten “porc cul noir” (Schwarzarschschwein). Außerdem bereiteten wir in der Restaurantküche des Lycée professionnel (mit einer Berufsschule vergleichbar) zusammen mit den dort angehenden Köchen und deren Ausbildern, das besondere Schweinefleisch zu einem leckeren Schmorgericht. Ein französisches Fernsehteam berichtete sogar über das Kochen und den Ablauf unseres Projektes, wobei Schüler und unser Kursleiter Rainer Börner interviewt wurden. Auf Einladung des Küchenchefs, M. Terrenoire, wurde uns anschließend im schuleigenen Restaurant ein vollständiges Menu, serviert von den Schülern der Berufsschule, serviert. Das war Genuss pur! Eine zweite Gruppe hielt sich zur gleichen Zeit bei Madame Rouchut und Madame Rouvery, zwei älteren, sehr charmanten Damen in der Ancienne ferme-auberge in Angoisse auf. Zusammen bereiteten wir einen Eintopf (petit salé) vor und wurden dann in die Geheimnisse einer besonderen Spezialität , dem “Clafoutis” (ein Auflauf mit ganzen Sauerkirschen) eingeweiht. Im Anschluss durften das gekochte Mittagessen verzehren . Natürlich haben wir uns die Rezepte genau gemerkt. Eine weitere Betriebsführung führte uns am Tag darauf zur Kalbszucht der Familie Coste, bei der uns die Aufzucht des veau traditionnel de St.Yrieix erklärt wurde. Im Anschluss daran durften wir gegrilltes Kalbfleisch probieren, natürlich blutig wie es die Franzosen mögen. Das war für manche von uns ganz schön gewöhnungsbedürftig. Die Äpfel, die wir dort außerdem zur Verköstigung bekamen, waren keine Geringeren als die “pomme golden”, die aus der berühmten Apfelfabrik “Limdor” stammten, die wir am Nachmittag auch besuchen durften. Mit einem Geflügelzüchter, Monsieur Jarry, bereiteten wir am Tag darauf ein kulinarisches Menu rund um die Stopfente (canard gras) vor. M. Jarry kam nicht allein, er hatte 4 frisch geschlachtete Enten mitgebracht, von denen er eine vor unseren Augen fachmännisch zerlegte. Dann waren wir an der Reihe. Nur einige wenige tapfere Schüler wagten sich eine Ente nach dem Vorbild des Meisters zu zerlegen. Einige andere zogen die frische Luft vor. Natürlich kam dann auch das Kochen nicht zu kurz. Zusammen bereiteten wir Gericht mit Entenbrüsten und Esskastanien zu. Als Vorspeise gab es Entenstopfleber (foie gras) Am letzten Tag erhielten wir einen weiteren Einblick in die Zubereitung von lokalen Fleischgerichten. Monsieur Massias, ein Metzgermeister aus St.Yrieix, kochte mit uns mit uns seine Besonderheit - paupiettes de veau (gefüllte Kalbsrouladen ) . Das Fleisch stammte natürlich aus dem Hof der Familie Coste, die wir ja persönlich kennen gelernt hatten. Im Anschluss luden uns die Mitglieder des französischen Komitees für Städtepartnerschaft, die uns die ganze Woche begleitet und sich rührend um uns gekümmert hatten, zu einem Abschiedsessen ein. Als Vorspeisegab es Tarte mit Blutwurst und Äpfeln belegt (lecker..), als Hauptspeise unsere Kalbsrouladen (wirklich lecker), dann Käse und als Dessert: tarte aux fruits . Eine typisch französische, in Franken leider nicht erhältliche, Köstlichkeit sind die Madeleines. Ein kleines , mit Mandelteig zubereitetes Gebäckstück mit verschiedenen Schokoladenglasuren. Über die Geschichte der Madeleines und die Herstellung lernten wir viel von Monsieur Ponthier, der uns in seinen bekannten Familienbetrieb einlud und uns sogar selbst zu Bäckermeistern werden ließ. Unabhängig von unseren kulinarischen Entdeckungen besichtigten wir zusätzlich eine Porzellanfabrik, in der liebevoll und traditionell die verschiedensten Dinge, insbesondere aber das typisch weiße Geschirr hergestellt wird. Anschließend konnten in dem Geschäft gleich nebenan wertvolle, allerdings nicht ganz billige Souvenirs für Familie und Freunde gekauft werden. Beim Empfang im historischen Rathaus von St.Yrieix trafen wir nochmals alle externen Partner die uns bei unserem Projekt Hilfestellung leisteten. So hatten wir die Gelegenheit den Köchen, Züchtern und außerdem auch den Privatleuten, die sich uns zum Beispiel als Fahrer zur Verfügung stellten, zu danken. Die Abende nach dem gemeinsamen Programm verbrachten mit unseren Gastfamilien, bei denen wir sehr freundlich aufgenommen wurden und mit denen teilweise enge Freundschaften entstanden. Alles in allem ist unsere Reise sehr positiv zu bewerten. Unser Aufenthalt brachte uns eine Vielzahl neuer Erfahrungen und war nicht zuletzt für unser Kochbuch eine große Bereicherung.
