Patricia Weber - "Ein Jahr in Texas"

San Antonio

„Wenn wir uns von unseren Träumen leiten lassen, wird der Erfolg all unsere Erwartungen übertreffen“ (Henry David Thoreau). Mein Traum war es, nach Amerika zu gehen und dort die Highschool zu besuchen. Um seine Träume erfüllen zu können, muss man allerdings etwas dafür tun! Als erstes hab ich mir mehrere Broschüren zuschicken lassen, die ich mit sehr viel Begeisterung verschlungen habe. Dann musste ich meine Eltern überzeugen und der nächste Schritt war eine Agentur auszusuchen und sich zu bewerben. Nach dem ich meine Bewerbung abgeschickt habe, bekam ich weiteres Infomaterial und wurde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, das in Nürnberg statt fand. Ich wurde von meiner Mutter begleitet und dort trafen wir zwei weitere Bewerber. Zunächst bekamen wir mehr Informationen über den Verlauf der zehn Monate. Danach wurden unsere Eltern hinausgeschickt und wir mussten Fragen beantworten, bei denen unsere Sprachkompetenz, Wissen über die Vereinigten Staaten und unsere Motivation geprüft wurden. Ein paar Wochen später bekam ich den Bescheid, dass ich in das Programm aufgenommen wurde, wobei die Freude groß war.

Die nächsten Wochen und Monate waren voller Spannung, da jeden Tag ein Brief kommen konnte, indem ich den Namen, die Adresse und Bilder von meiner Gastfamilie erhalten würde. Im April war es dann so weit.

Ich sollte zu einer allein stehenden Frau nach Upstate New York. Ich nahm Kontakt auf und wir verstanden uns von Anfang an sehr gut. Doch dann kam die Nachricht, dass sie mich nicht aufnehmen kann, da sie nicht wie geplant umzieht und deshalb kein Zimmer für mich bereitstellen konnte. Die Enttäuschung war zwar groß, aber wir verstehen uns bis heute sehr gut und haben noch Kontakt miteinander.

Anfang August, also zwei Wochen vor meinem Abflug, bekam ich dann die Adresse meiner neuen Gastfamilie in San Antonio, Texas. Ich nahm sofort Kontakt auf. Wir konnten es kaum erwarten, uns persönlich kennen zu lernen. Die Freude war zwar groß, aber ich musste meine Familie und meine Freunde für zehn Monate in Deutschland zurücklassen.

Voller Spannung und Neugier trat ich meine große Reise am 14. August 2003 in Nürnberg an. Danach flog ich nach Frankfurt, wo ich mit circa 15 anderen Teilnehmern und einem ,Escort’ nach Chicago flog und dann weiter nach San Antonio. Dort wurde ich nachts mit Freude und Plakat schon erwartet.

Die ersten Tage waren voller Unternehmungen und daran hat sich das ganze Jahr nichts geändert. Ich war mit meiner Familie, den Chappells, (Danelia und ihrem Sohn DJ (damals 5), sehr viel unterwegs. Neben den Städten Austin, Houston und Dallas haben wir auch einen ‚Road Trip’ nach Washington D.C. an Weihnachten gemacht und den Bruder meiner Gastmutter dort besucht. Auf dem Heimweg haben wir in Georgia vorbeigeschaut und Danelias Eltern besucht. ‚Spring Break’ waren wir in Wyoming Ski fahren und unseren Nachbarn Mexiko haben wir auch besucht.

Dann war da ja auch noch die Schule. Ich besuchte die Highlands Highschool und fand sehr schnell Anschluss was einem nicht schwer fiel bei 2200 Schülern. Schüler und Lehrer sind sehr freundlich und neugierig auf mich zugekommen und hatten Freude daran, mehr über Deutschland und mich zu erfahren. Die Schule fing um 8.30 Uhr an und endete um 15.50 Uhr. Ich hatte jeden Tag sieben Schulstunden, je 52 Minuten mit sechs Minuten Pause zwischen jeder Stunde und einem 30-minütigen ‚lunch’. Frühstück und Mittagessen gab es in unserer Schulcafeteria umsonst.

An unserer Schule herrschte Uniformpflicht. Die Uniform bestand aus einer beigen Hose oder einem Rock und einem weinroten oder weißen T-Shirt, Hemd oder Bluse mit Kragen. Nach der Schule gab es verschiedene Clubs (Drama Club, International Club, JROTC), man konnte in der Band mitspielen oder einer der unzähligen Sportarten nachgehen, die in den USA einen hohen Stellenwert haben. Homecoming Dance, Prom oder die großartigen Footballspiele sind nur einige Ereignisse, die unvergessen bleiben werden.

Diese zehn Monate waren sehr ereignisreich und erfahrenswert. Ich habe sehr viel über die Kultur, die Menschen, die Sprache, das Land aber auch mich gelernt, dass ich diese Erfahrung niemals missen möchte. Natürlich gibt es nicht nur Sonnenseiten. Man muss sich an die Gastfamilie gewöhnen und anpassen und nicht - wie manche meinen, dass die Gastfamilie sich an den Gastschüler anpassen muss. Man wird auch mit Heimweh konfrontiert werden und muss sich erstmal eingewöhnen, da am Anfang auch sprachliche Probleme auftreten können, doch die Umstellung von Deutsch auf Englisch erfolgt sehr schnell, da man nur noch Englisch um sich herum hört. Wenn man offen auf die Menschen zugeht und nicht zu hohe Ansprüche und Erwartungen hat, kann dieser Auslandsaufenthalt eine sehr hilfreiche, bereichernde und prägende Erfahrung werden. So ein Programm ist nichts für jedermann doch für jemanden, der die Voraussetzungen und den Willen hat, sehr empfehlenswert. Ich erinnere mich sehr oft und sehr gerne an mein Jahr in den Staaten und freue mich schon auf den Besuch von meiner Gastfamilie diesen Sommer.
Patricia Weber, damals K12