„Chemistry on Tour“ zu Gast am Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium

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Wechselwirkung zwischen Licht und Materie, Begriffe wie Fluoreszenz oder Phosphoreszenz klingen schon sehr nach einer trockenen, wissenschaftlichen und schwer verständlichen Vorlesung an der Uni – genauso, wie sich viele Schüler des Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasiums die Veranstaltung vorgestellt hatten. Doch was ihnen vom Schulbeauftragten Dr. Christian Ehli des Departments für Chemie und Pharmazie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in der vergangenen Woche geboten wurde, war eine unterhaltsame Show mit Witz, verblüffenden, interaktiven Experimenten und Wissensvermittlung auf humorvolle und spielerische Weise.

 

 

 

 

 

 

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Mit „Chemistry on tour“ ist Dr. Ehli bereits seit Jahren bayernweit unterwegs, um an Gymnasien verschiedene Fachvorträge zu halten, die einerseits an den Lehrplan anknüpfen, gleichzeitig aber auch eine wissenschaftliche Vertiefung darstellen und den Schülern einen kleinen Einblick in universitäre Arbeit ermöglichen.

„Chemie für die Nacht – wenn Moleküle anfangen zu leuchten“ , so der Titel des 90minütigen Experimentalvortrags, der nicht nur die Schüleraugen der beiden Chemiekurse der 11. Jahrgangsstufe zum Leuchten brachte. Taschenlampe, Prisma und ein paar Holzklötzchen reichten zunächst aus, um das Phänomen „Licht und Farbe“ verständlich zu machen. An zahlreichen Alltagserfahrungen wurde das Thema immer mehr vertieft, den Schülern verblüffende Zusammenhänge aufgezeigt und wertvolle Tipps gegeben: Was tun, wenn in Bad Windsheim sämtliche „Tintenkiller“ ausverkauft sind? Dass man mit aufgelöster Knödelhilfe und einem Wattestäbchen ein ähnlich gutes Ergebnis erzielt, konnten die Schüler selbst ausprobieren. Anhand chemischer Strukturformeln lernten sie schließlich begreifen, weshalb das Experiment mit roter Tinte nicht funktioniert. In einem weiteren, ebenfalls von Schülern durchgeführten Versuch wurde klar: Vanillepuddingpulver ist nicht gleich Vanillepuddingpulver. Während der eine Hersteller das fluoreszierende Riboflavin (Vitamin B2) als Farbstoff verwendet, wird im anderen Pulver Carotin eingesetzt, das keinen Fluoreszenzeffekt besitzt. Neben Tonic Water, Multivitamintabletten und Absperrbändern wurden auch Blutspuren (aus Rinderleber) zum Leuchten gebracht und so kriminalistische Methoden der Spurensicherung an einem Tatort erläutert.

So ganz nebenbei erfuhren die Schüler, auf welche Weise man solche Stoffeigenschaften in hochmodernen Analysegeräten wie Absorptions- oder Emissionsspektrometer nutzen kann. Mit beeindruckend einfachen Worten ist es Dr. Ehli gelungen, die sehr komplex aufgebauten Apparaturen in ihrer Funktionsweise anschaulich zu erklären.

Auch bei der didaktischen Aufbereitung seines Vortrags sparte er nicht mit Showeffekten; so wurden verschiedene Antwortbuzzer im Plenum verteilt, die zum richtigen Zeitpunkt von den Schülern bedient werden mussten, um bestimmte Schlüsselbegriffe an der richtigen Stelle zu platzieren. Der „typische Chemielehrer“ erschien immer dann mit hochrotem Kopf auf der Projektionsfläche, wenn sich ein Fehler eingeschlichen hatte. Ein gelungener vorweihnachtlicher Abschluss war der chemische Adventskranz, der natürlich aus Kunststoff war. Auf ihm befanden sich vier Glasbehälter, die durch chemische Reaktionen in buntem Licht erstrahlten. Als kleines Geschenk erhielt jeder Schüler Leuchtschnürsenkel und einen Flyer, der über chemische Studiengänge an der Uni Erlangen-Nürnberg informiert. Dieser befand sich, wie nicht anders zu erwarten, in einem Briefkuvert, das beim Öffnen im Dunkeln leuchtet – ein Effekt, der mit jedem handelsüblichen Selbstklebeverschluss funktioniert.