Koma-Saufen – der neue Jugendtrend?

Es scheint der neue Sport der Jugendlichen zu sein: „Komasaufen“ – das gezielte Trinken bis zur Bewusstlosigkeit. Spätestens seit den jüngsten Fällen von Jugendlichen, die sich wortwörtlich ins Koma getrunken haben und die Diskussion um ein Alkoholverbot für Minderjährige, ist diese Problematik in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt. Die Gründe, die Jugendlichen zu derartigen Alkoholexzessen treiben, sind verschiedenartig: Immer wieder werden von den Jugendlichen selbst Motive wie Langeweile, Neugierde, Austesten der eigenen Grenzen, Provozieren, das Streben nach Anerkennung, Gruppenzwang und das Gefühl, erwachsen zu sein, genannt. Die günstigen Angebote der Lokale wirken zudem äußerst reizvoll und unterstützen die Jugendliche in ihrem Vorhaben. Jedoch wird das problematische Verhalten, wie „Kampftrinken“ oder „Komasaufen“, von den Jugendlichen oft nicht als verwerflich angesehen, sondern steigert vielmehr deren Ansehen und stärkt ihre Rolle in der Gruppe. Viele Jugendlichen beginnen mit dem regelmäßigen Konsum von Alkohol bereits schon zwischen dem 14. und 15. Lebensjahr. Dabei gilt Alkohol für sie als fester Bestandteil bei Feiern und im Alltag. Über die Stränge schlagen gehört hierbei schon beinahe zum Erwachsenwerden dazu. Gerade hier in dieser Zeit, der Pubertät, passiert psychisch und physisch sehr viel: Der Körper entwickelt sich, der Leistungsdruck in Schule und Ausbildung nimmt zu, der erste Liebeskummer ist zu bewältigen. Alkohol kommt in dieser Entwicklungszeit wie gerufen. Er wirkt entspannend, enthemmend und trägt dazu bei, sich über Verbote hinwegzusetzen. Alkohol hilft, mangelndes Selbstvertrauen zu vergessen und Zukunftsängste lässig zu überspielen. Zudem erfährt der Konsum von Alkohol in unserer Gesellschaft hohe Akzeptanz und ist tolerierter Bestandteil der Erwachsenenwelt. Wer als Jugendlicher mithalten will, muss auch mittrinken - ein Abstinenzler gilt schnell als Außenseiter. Dabei werden die tödlichen Gefahren des Komasaufens vor allem von Jugendlichen stark unterschätzt. Gerade das schnelle Trinken von Alkohol legt sehr schnell das Atemzentrum im Gehirn lahm und kann auf diese Weise zu Bewusstlosigkeit und Tod führen. Außerdem können hohe Dosen Alkohol die allgemeine körperliche und geistige Entwicklung und das Knochenwachstum in der Pubertät verzögern. Die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums auf Leber und die übrigen Organe sind langfristig lebensbedrohlich. Das jugendliche Gehirn ist, was die Suchtentwicklung angeht, lernfähiger, als ein erwachsenes Gehirn, d.h. eine Alkoholabhängigkeit kann früher und schneller entstehen. Auch sterben durch das Zellgift Alkohol Milliarden von Gehirnzellen unwiederbringlich ab. Der Berufsverband Deutscher Psychologen sehen im „Komasaufen“ Jugendlicher sogar den Einstieg für einen späteren Drogenmissbrauch. Allerdings bringt der Konsum von Alkohol nicht nur gesundheitliche, sondern auch gesellschaftliche Probleme, sowie Beziehungsprobleme mit sich. Schlechtere Schul- und Arbeitsleistungen, Steigerung der Aggressivität, finanzielle Probleme, Gefährdung der Sicherheit im Straßenverkehr, ungeschützter Geschlechtsverkehr, ungewollte Sexualerlebnisse können die Folgen sein. Zudem bewirkt der regelmäßige Konsum von Alkohol eine höhere Bereitschaft zu Gewalt, Betrug und Diebstahl. Die Zahl der Jugendlichen, die regelmäßig zum Alkohol greifen, ist in den vergangenen Jahren zwar gesunden, aber die jungen Leute greifen immer früher das erste Mal zur Flasche. Und wenn sie trinken, dann immer häufiger, bis der Arzt kommen muss. „Flatsaufen oder Komasaufen ist unter Jugendlichen fast schon eine Art Kult“, meint Udo Mosert von A-Connect, der Online – Hilfe für Alkoholiker und deren Angehörige. Anzeichen für Alkoholprobleme Was sind Indizien dafür, dass ein Jugendlicher Probleme mit Alkohol haben könnte? Gerade in der Pubertät sind Stimmungsschwankungen normal. Normal ist auch, dass Kinder sich zurückziehen und ihre Interessen schnell ändern. Sichere Anzeichen gibt es nicht. Aufmerksam werden sollten Eltern, wenn sie den Eindruck haben, dass

• bisherige Freunde und Interessen gänzlich aufgegeben werden

• die Leistungen in der Schule oder auf der Arbeit rapide und insgesamt absinken und Ihr Kind verstärkt blau macht

• der Jugendliche sich völlig zurückzieht

• aus neuen Freunden eher ein Geheimnis gemacht wird

• jemand, der früher eher ordentlich war, sein Zimmer, seine Kleidung oder seine äußere Erscheinung insgesamt vernachlässigt

• ihr Sprössling andere Auffälligkeiten im Verhalten zeigt: Er ist unzuverlässig und interesselos, jammert und ist streitsüchtig oder in depressiver Stimmung

• der Jugendliche viel auf Partys unterwegs ist und dann oft angetrunken nach Hause kommt

• besonders am Wochenende der Atem nach Alkohol oder Erbrochenem riecht, der Jugendliche schwankt und lallt

• er sich gelegentlich heimlich an der Hausbar bedient. Was können Sie als Eltern tun? Eltern sind nicht für alles verantwortlich, was ihre Kinder tun oder lassen. Risikoverhalten gehört zum Jugendalter. Dennoch können Sie wesentlich dazu beitragen, möglichen Alkoholproblemen Ihres Nachwuchses vorzubeugen, wobei darauf hinzuweisen ist, dass es auch hierbei kein Patentrezept geben kann. Generell müssen Sie als Eltern Regeln für das Trinkverhalten der Jugendlichen aufstellen und kontrollieren. Seien Sie sich Ihrer Vorbildfunktion bewusst: Sie müssen nicht völlig auf Alkohol verzichten, jedoch sollten Sie einen maßvollen Alkoholkonsum vorleben. Beobachten Sie Ihren eigenen Konsum und überlegen Sie, wie Ihr Verhalten bei Ihren Kindern ankommt. Generell ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, zuhören zu können, Interesse zu zeigen, miteinander zu reden. Eine offene Kommunikation hält die Verbindung zu Ihrem Kind aufrecht und schafft Vertrauen. Wichtig ist hierbei, den Heranwachsenden Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung zu vermitteln. Anerkennung und Vertrauen helfen, Misserfolge zu bewältigen. Begleiten Sie die Jugendlichen dabei, einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu lernen. Bezüglich Alkopops sollten Sie Ihr Kind auf den hohen Alkoholgehalt aufmerksam machen. Figurbewusste Teenager dürfte auch der hohe Kaloriengehalt der süßen Mixgetränke interessieren: Eine Flasche enthält ca. 200 Kilokalorien. Sollte Ihr Nachwuchs dennoch einmal angetrunken von einer Party nach Hause kommen, bewahren Sie erst einmal Ruhe. Vorhaltungen und Vorwürfe sind jetzt fehl am Platz. Übernehmen Sie auch nicht die unangenehmen Folgen des Alkoholkonsums. Wischen Sie Erbrochenes nicht auf und schreiben Sie keine Entschuldigungen für ein Fehlen in der Schule. Sprechen Sie am nächsten Tag in aller Ruhe mit Ihrem Kind darüber. Verbote erzeugen Trotzreaktionen. Sachliche Aufklärung kann hilfreich sein. Solange dies ein Ausnahmefall war, sollten Sie den Alkoholkonsum nicht überbewerten, aber dennoch im Auge behalten. Nehmen Sie jedoch einige der Anzeichen, wie oben beschrieben, wahr, sollten die Alarmglocken schrillen. Scheuen Sie sich nicht professionelle Hilfe zu holen. Hilfe bekommen Sie in Ihrer Nähe, z.B. bei

• psychosozialen Beratungsstellen

• Drogenberatungsstellen

• Jugendberatungsstellen

• Gesundheitsämtern

• Schulpsychologen.